Skinny Shaming - die andere Seite des Body Shamings

27. August 2017

Body Shaming betrifft so ziemlich jeden. Von der Figur über die Körperbehaarung bis hin zur Größe der Nase – das Thema umfasst die verschiedensten Aspekte unseres Körpers. Fat Shaming ist hierbei das größte Problem. Dennoch gibt es auch ein Phänomen, das hierbei oft ausgelassen wird: Das Problem des Skinny Shamings, bei dem Frauen aufgrund ihres dünnen, untergewichtigen Körperbaus kritisiert und verurteilt werden.

 

,,Warum bist du so dünn?‘‘ oder ,,Isst du nichts?’’ – fast jeden Tag bekommt Jenny* Kommentare über ihren Körper zu hören. Egal ob in der Uni oder in der Arbeit – beinahe jeder Mensch, den sie neu kennenlernt, stellt Fragen zu ihrer Figur. Jenny wiegt 50 Kilogramm bei einer Größe von 1,75 Metern. Sie ist untergewichtig. Den Grund dafür kennt sie bis heute nicht.

,,Bist du magersüchtig?‘‘

Im Kindergarten und in der Volksschule machte Jenny sich nie besonders viele Gedanken um ihre Figur. Auch die anderen Kinder schien es nicht zu kümmern, dass sie deutlich schlanker als sie war. Doch als sie ins Gymnasium kam, fingen die Kommentare bezüglich ihres Körperbaus an. Oft wurde ihr sogar Magersucht vorgeworfen. Sogar von einer Sportlehrerin. ,,Sie fragte hinter meinem Rücken meine beste Freundin, ob ich magersüchtig bin‘‘, erzählt sie. ,,Später besprach sie das Thema mit mir persönlich‘‘. Anfangs verletzte sie das Skinny Shaming seitens ihrer Mitschüler sehr. Oftmals weinte sie deswegen. Mit 16 Jahren weigerte Jenny sich kurze Hosen zu tragen, da sie sich für ihre Beine schämte. Auf diese wurde sie ebenfalls öfter als einmal angesprochen. Heute prallen die Kommentare immer mehr von ihr ab. Dennoch versteht sie nicht, warum ihre Figur das erste ist, worauf sie angesprochen wird. Für sie ist es so, als würde man einem Übergewichtigen Menschen einfach sagen, er wäre fett. Es kommt auch vor, dass selbst wildfremde Menschen sie fragen, ob sie nichts esse oder ob sie magersüchtig sei. Manchmal würde sie diese Vorwürfe gerne einfach mal mit ,,Ja‘‘ beantworten. ,,Das wäre leichter als ihnen meine Situation zu erklären: Ich esse viel und nehme einfach nicht zu. Das glauben sie mir eh nicht.‘‘, meint sie.

Weightgainer und Proteinshakes

Dabei hat Jenny mit allen Mitteln versucht, zuzunehmen: In der Oberstufe nahm sie Proteinshakes und Shakes mit Nahrungsergänzungsmitteln zu sich. Einige Zeit probierte sie auch Weightgainer aus. Ihr Freund stellte ihr einen Ernährungsplan zusammen – nichts davon funktionierte. Sie nahm nur minimal davon zu. Sie ging daraufhin zu Ärzten und ließ sich untersuchen. Es konnte keine Krankheit festgestellt werden. Sie scheint einfach einen sehr starken Stoffwechsel zu haben. ,,Meine Eltern waren früher auch sehr schlank. Ich hoffe, dass ich mit dem Alter zunehmen werde. 65 Kilo wären mein Idealgewicht‘‘, meint sie. ,,Ich will nur, dass die Kommentare irgendwann aufhören.‘‘ Auch die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Nichterl meint: ,,Manche Menschen haben einen „begnadeten“ Stoffwechsel und können wirklich viel essen, ohne zuzunehmen.‘‘ Das sei meist genetisch bzw. familiär bedingt. Wenn Vitalität und Gesundheit da sind und die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit in Ordnung sind, dann sei kein Grund da, etwas zu tun.

Eine ,,echte Frau‘‘

 Es gibt also Menschen, die untergewichtig und nicht magersüchtig sind. Die einfach nichts dafürkönnen. Und die beinahe täglich sich dafür kritisieren lassen müssen. Denn ,,Nur Hunde spielen mit Knochen‘‘ oder ,,Echte Frauen haben Kurven‘‘ sind ebenso verletzend wie andere Aussagen, die Frauen aufgrund ihrer Figur über sich ergehen lassen müssen. Sie müssen sich für ihren eigenen Körperbau rechtfertigen. Body Shaming geht also über Fatshaming hinaus. Es betrifft auch Frauen, die ,,zu dünn‘‘ sind. Sowohl unter- als auch übergewichtige Frauen bekommen Kommentare zu ihrer Figur. Dennoch sind die beiden Phänomene so nicht unbedingt miteinander vergleichbar. Wir leben nach wie vor in einer ,,schlanken‘‘ Welt. Unser idealer Körper ist schlank. Wir werden tagtäglich mit Bildern von Frauen mit schlanken, dünnen Körpern konfrontiert. Übergewichtig und dick sein ist ein Tabu. Dicke Menschen werden diskriminiert, gesellschaftlich und auch am Arbeitsmarkt. Fat Shaming ist also ein gesellschaftliches Problem, während Skinny Shaming dies nicht ist. Dennoch sollte keines von beiden relativiert werden. Sie sind beide Beispiele dafür, wie die Körper von Frauen in unserer Kultur bewertet und kritisiert werden. Und niemand darf sich erlauben, jemand anderen aufgrund seiner Figur zu kritisieren und Kommentare diesbezüglich zu machen. Es gibt nicht diesen einen, idealen Körperbau für eine ,,echte Frau‘‘. Echte Frauen können dünn oder dick sein. Sie können so aussehen, wie sie wollen.

 

 

*Name von der Redaktion geändert

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