Šta ima? Journalismus in Zeiten von Corona am Balkan

17. April 2020

Mediale Berichterstattung ist jetzt wichtiger denn je. Journalisten und Journalistinnen sehen es als ihre Pflicht an zu informieren, hinterfragen und komplexe Sachverhalte runterzubrechen . Was aber, wenn sie daran gehindert werden? Ein Überblick über die letzte Woche in Serbien und Kroatien.

In Kroatien wurde am Sonntag Ostern gefeiert. Der Priester Josip Delaš in einem Stadtteil von Split ließ sich trotz Corona und Versammlungsverbot nicht davon abhalten, eine Messe mit einigen Besuchern abzuhalten. Unter den Anwesenden waren auch die zwei Journalistinnen Živana Šušak Živković von Dalmatinski portal und Ivana Sivro vom Sender N1. Bei ihrem Versuch ,Videoaufnahmen von der Messe zu machen, wurde einer Reporterin die Hand verletzt und das Handy der anderen ging zu Bruch. Schuld an den Verletzungen und Schäden waren die Anwesenden der Messe. Der Priester schreitet nicht ein und beschimpft die Journalistinnen und das Kamerateam. Hier im Video nachzusehen:

 

Der kroatische Journalistenverband verurteilte diesen Vorfall scharf und verlangte eine Stellungnahme der Regierung dazu. Der Premierminister Davor Bozinovic und die Kulturbeauftragte Nina Obuljen Korzinek reagierten kurz darauf ebenfalls mit Kritik am Vorfall am Ostersonntag.

Pressekonferenzen ohne Journalist*innen in Belgrad

Dass sich aus den gegen Covid-19 Maßnahmen auch ein neues Bild während Pressekonferenzen erschließt, ist klar. Weniger Menschen, weniger Stühle und mehr Mundschutz. Die serbische Regierung setzt eines drauf und beschließt, dass ab sofort keine Medien Repräsentanten mehr an den täglichen Covid-19 Pressekonferenzen teilnehmen dürfen. Stattdessen sollen Emails mit Fragen an den Virologen Dr. Predrag Kon gestellt werden. Bei den Pressekonferenzen sind nur mehr Kamerateams der staatlichen serbischen Presseagentur Tanjug und des serbischen TV Sender RTS erlaubt.

Der Chefredakteur der serbischen Nachrichtenagentur FoNet Zoran Sekulic erklärt in einem Statement diesen Mittwoch, dass sie keine Fragen mehr via Email stellen werden. Sie werden natürlich weiterhin indirekt über das Coronavirus berichten anhand der Informationen aus den Konferenzen des Expertenteams. Aber solang es keine direkte Kommunikation zwischen Journalist*innen und der Corona Task-force der Regierung gibt, wird FoNet keine Fragen mehr via Email stellen. Sekulic fügt hinzu, dass seine Nachrichtenagentur seit Bekanntgabe dieser Maßnahme nur eine Antwort, von insgesamt aber drei Fragen erhalten haben. Im selben Statement warnt Sekulic auch davor, dass die indirekte Fragestellung durch Emailverkehr anfällig für Manipulation und Missbrauch ist. Aus Solidarität ihren Kollegen gegenüber, gab auch die Belgrader Tageszeitung Danas diese Woche bekannt ebenfalls keine Fragen mehr via Email zu stellen. 

Die europäische Journalisten-Föderation (EJF) mahnte diesen Donnerstag ebenfalls. „Wir erinnern die Regierungen noch einmal daran, dass die Pandemie nicht dazu benutzt werden darf, den freien Informationsfluss einzuschränken", erklärt EJF-Generalsekretär Ricardo Gutiérrez in einer Pressemitteilung und nennt Serbien als Beispiel.  Die Regierungen seien verpflichtet zuverlässige Informationen zur Verfügung zu stellen, betont Gutiérrez.

Im Fall von Serbien werden aktuell nur gefilterte Informationen veröffentlicht, die nicht objektiv betrachtet werden können. Journalist*innen haben nicht die Möglichkeit weitere Fragen zu stellen. Die EFJ schlägt zum Beispiel vor Journalist*innen via Videokonferenz bei Pressekonferenzen dazu zuschalten. Somit wäre das Problem des Versammlungsverbots gelöst und die Pressefreiheit weiterhin gewährleistet. 

Die objektive und kritische Berichterstattung ist für alle Journalist*innen, das Ying zu ihrem Yang, das Amen im Gebet oder die Zigarette nach dem 3. Spritzer (die Liste an pathetischen Vergleichen ist lang...) – aber auf alle Fälle: unabdingbar! Die Reaktionen von Danas und FoNet zeigen Haltung und machen Hoffnung auf eine Beibehaltung des kritischen Journalismus in Serbien. 

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