Wenn Uschi aus Floridsdorf "Dreadlocks" trägt

18. August 2021

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Fotos von Breston Kenya/fauxels von Pexels
Fotos von Breston Kenya/fauxels von Pexels

Blackfishing, Blackfacing und kulturelle Aneignung. Worum geht es dabei und was löst es in mir, einer Schwarzen Frau, aus, wenn zum Beispiel Uschi aus Floridsdorf mit „Dreadlocks“ aus dem Urlaub zurück kommt?

 

Shirin David, Ariana Grande oder Kim Kardashian gelten nicht nur als Queens der Popkultur. Ihnen wird auch immer wieder „Blackfishing“ vorgeworfen. Die Künstlerinnen lassen ihre Haut mit Make-Up oder Selbstbräuner dunkler erscheinen. Manche ergreifen extremere Maßnahmen, indem sie ihre Lippen aufspritzen und sich den Po liften lassen. Die ein oder andere lässt sich eine Afroperücke aufsetzen oder Cornrows machen. Sie werden auf Social Media gepostet und posieren in Musikvideos - inszeniert als Schwarze Frauen oder Women of Color.

 

Das „Schwarz sein“ wird instrumentalisiert und strategisch eingesetzt. Die Kasse klingelt. Ruhm und Aufmerksamkeit sind das Ziel. Das Aussehen Schwarzer Frauen wird sich dabei angeeignet und im Gegensatz zum „Blackfacing“ wird die Kultur Schwarzer Menschen vermeintlich gefeiert. Denn in der Hip Hop oder Popszene wird Schwarzen Menschen ein „Coolness-Faktor“ zugeschrieben. Probleme, wie Alltagsrassismus oder Mikroaggressionen, erleben die weißen Künstlerinnen nicht. Sie werden sich abschminken, die Perücken herunter nehmen und den Alltag als weiße Frauen erleben. Ich, als Schwarze Frau, habe dieses Privileg nicht.

 

Am Sonntag fand in Wien der zweite „Vienna Carnival“ statt, bei dem ich viele weiße Frauen mit Braids (Rastazöpfe) oder „Dreadlocks“ gesehen habe. Knapp bekleidet und mit bunten Federn geschmückt, wurde zu lateinamerikanischer, karibischer und afrikanischer Musik getanzt. Das große Fest gilt als Ausdruck der Lebensfreude und soll ein politischer und kultureller Widerstand für indigene und afrikanische Menschen in der Diaspora sein. Die „Culture“ wird gefeiert. Die weißen Besucherinnen freuen sich an den positiven Aspekten der Kultur und nehmen diese an. Das ist aber nicht unproblematisch.

 

Schwarze Menschen müssen tagtäglich mit einer rassistisch sozialisierten Gesellschaft kämpfen und können sich nicht nur die positiven Elemente der „Black Culture“ aussuchen. Während Uschi aus Floridsdorf mit den „Dreadlocks“ aus Jamaika nachhause kommt und sich daran freut, eine coole Frisur zu tragen, erinnern sich Schwarze Menschen daran, dass der Name der Frisur negativ behaftet ist. „Dreadful“ ist das englische Wort für „furchtbar“ und so sollen britische Kämpfer die Frisuren kenyanischer Soldaten bezeichnet haben, als sie die Haare das erste Mal sahen.

 

Oft genug werden Schwarze Frauen von weißen Braids-tragenden Personen diskriminiert und ausgegrenzt. „Respect The People, Not Just The Culture“, dachte ich, als meine Schwarze Freundin samt Kind und Kinderwagen von einer weißen Frau mit Locks in der U6 diskriminiert wurde.

 

Wenn ich weiße Menschen mit traditionell afrikanischen oder indigenen Hairstyles sehe, geht es also um Respekt und Verantwortung. Schwarze Menschen sollen genauso behandelt werden, wie die „Black Culture“, die geliebt und gefeiert wird.

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