Wie in Zeiten der Sklaverei – nur in Farbe

22. September 2021

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© PAUL RATJE / AFP / picturedesk.com
© PAUL RATJE / AFP / picturedesk.com

US-Grenzschützer in Uniform sitzen mit Peitschen bewaffnet auf Pferden und hindern Geflüchtete aus Haiti daran, die Grenze zwischen Mexiko und Texas zu überqueren. Die Beamten verscheuchen die Schutzsuchenden, halten sie an ihren T-Shirts fest und stoßen sie nieder. Frauen laufen mit ihren Babys im Arm an den Beamten vorbei. Diese erschreckenden Szenen spielten sich letztes Wochenende am Grenzfluss Rio Grande ab und ich denke mir ehrlich: „Spinnt ihr, USA?“

Tausende haitianische Geflüchtete leben derzeit unter einer Brücke in Del Rio, Texas. Sie fliehen vor Unsicherheit und Bandenkriminalität in ihrem Land. Auch die Folgen der Pandemie können nicht ignoriert werden. Ende August erschütterte zusätzlich ein schweres Erdbeben mit mehr als 2.000 Toten den Karibik Staat und machte so tausende Kinder zu Waisen und Obdachlosen. Sie haben ihre Familienmitglieder, Unterkünfte und Zugang zu sauberem Wasser verloren, so UNICEF.  Viele Regionen sind nur noch per Hubschrauber zu erreichen. „Wenn ich jetzt nach Haiti abgeschoben werde, sterbe ich“, berichtet ein Haitianer der Nachrichtenagentur Reuters, „Dort gibt es nichts!“. Ich frage noch einmal: „Ist das euer Ernst, USA?“

Die US-Regierung scheint das alles nicht zu interessieren. Und ich möchte daran erinnern, dass wir uns nicht mehr in der Trump-Ära befinden. Das ist das demokratische Amerika von Joe Biden. Die Vize-präsidentin Kamala Harris sagte am Ende des Wahlkampfes: „We did it, Joe!“ - Wir haben es geschafft! Was habt ihr geschafft? Biden besteht auf geschlossene Grenzen. Das Tempo und die Kapazitäten der Abschiebungen sollten laut dem amerikanischen Heimatschutzministerium erhöht werden, schreibt die Frankfurter Allgemeine. Schließlich halten sich nicht nur haitianische Geflüchtete auf diesem Grenzweg auf. Außerdem wäre die Gefahr zu hoch, dass Covid-19 eingeschleppt werde.

Nachdem die Kacke weltweit bereits am Dampfen ist, erreichen nun Bilder von US-amerikanischen Polizisten mit Schlagwaffen die Medien. Sie jagen die Haitianer förmlich und schreien sie an: „Geht zurück nach Mexiko!“ und „Ihr benutzt eure Frauen, deswegen ist euer Land scheiße!“. Das kann es doch nicht sein! Die schutzsuchenden Menschen sind bereits traumatisiert und müssen unter unmenschlichen Bedingungen schlafen und essen. Kein Leben, sondern ein reines Überleben. Und die abwertenden Kommentare kommen ausgerechnet aus einem Bundesstaat, das seinen Einwohnerinnen verbietet, bei ungewollten Schwangerschaften über ihre eigenen Körper zu bestimmen.

Ein berittener US-Grenzschützer schwingt auf einem der Bilder die Peitsche, während er einer Gruppe von Geflüchteten gegenübersteht. „Sieht aus als würde er lächeln“, kommentieren manche auf Instagram. Die Geflüchteten sind nur mit Wasser und Essen bewaffnet. „Amerikkka!“, schreibt ein anderer Nutzer. Auf dem nächsten Foto peitscht der Beamte einem Mann ins Gesicht. Ja, das alles passiert im 21. Jahrhundert! „Das schaut aus, wie in der Zeit des Sklavenhandels – nur in Farbe“, lese ich und stimme zu.

Ich denke nicht, dass diese Grausamkeiten zum ersten Mal passieren, dass es sich um einen Zwischenfall handelt oder, dass es relevant sei, in welchem Kontext diese Bilder „angemessen“ sein könnten, wie die Pressesprecherin des Weißen Hauses Jen Psaki behauptet. Ich bin entsetzt, vielleicht sogar empört. Die Realität dieser Bilder ist brutal. Die Tatsache, dass solche Gewalttaten auf unserer Erde passieren, wundert mich jedoch nicht mehr.

‘I Felt Like A F*cking Nazi’: An Ex-Border Patrol Agent Speaks Out:
https://www.youtube.com/watch?v=d7isTZPgG8Q

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