Wie ticken eigentlich diese Migranten?

13. Dezember 2010

Markengeil?

Familienorientiert?

Kauft nur bei Hofer?

Nimmt den Sozialstaat aus?

Hat den großen Plasma-Fernseher?

 

Wie tickt der neue Österreicher? Worauf steht er? Was wählt und woran glaubt er? Das verkünden „Ethno“-Experten gerne – oft ohne Daten, Zahlen oder Fakten zu präsentieren. biber möchte das ändern und hat deshalb mit starken Partnern ein neues Markt- und Meinungsforschungsinstitut für Migranten gegründet. Hier die ersten Ergebnisse: Warum Migranten auf Politik und Parteien stehen, viel optimistischer als die „alten“ Österreicher sind, aber die Polizei echt nicht so super finden.

 

Von Ivana Cucujkić

 

Über Außerirdische gibt es mehr Infos als über Migranten. Zumindest werden uns seltsame Eigenschaften, Charakterzügen, Vorlieben, Abneigungen und Besonderheiten zugeschrieben. Etwas überzogen formuliert scheint es ja so zu sein: Der Migrant ist in der Öffentlichkeit am besten Türke, kriminell, traditionell, besonders markengeil, absolut familienorientiert, kauft nur bei Hofer, heiratet sehr jung, schlägt seine Frau, bekommt viele Kinder, hat den neuesten Plasma-Fernseher, nimmt aber den Sozialstaat aus und wird gerne diskriminiert.

Aha, so tickt er also, der Migrant, das fremde Wesen.

Oder doch nicht? Besonders viele Umfragen über uns neue Österreicher gibt es ja wirklich nicht. Eine davon haben wir selbst bereits vor Jahren in Auftrag gegeben: die mittlerweile im Bereich der „Ethno-Branche“ zum Klassiker avancierte Studie „The next Generation“ von Peter Hajek über das Konsumverhalten der zweiten und dritten Generation.

 

 

Echte“ versus „neue“ Österreicher

Jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Gemeinsam mit dem Online-Meinungsforschungsinstitut meinungsraum.at und der Kommunikationsagentur Skills Group haben wir eine rot-weiß-rote

Innovation ins Leben gerufen: ETHNOPINION. EthnOpinion ist das erste Online-Markt- und Meinungsforschungsinstitut für Migranten-Umfragen. Regelmäßig werden wir dafür unsere Zielgruppe – also EUCH – befragen. Also wenn ihr der Meinung seid, die unten folgenden Ergebnisse unserer ersten Umfrage sind alle ein völliger Unsinn, dann bitte eMail an umfrage@dasbiber.at und ihr werdet zur nächsten Online-Umfrage eingeladen.

 

Hier die Ergebnisse unserer ersten Umfrage. Daran haben 527 „neue“ Österreicher und – zum Vergleich – 1000 „echte“ Österreicher teilgenommen. Wichtig: Die teilnehmenden Migranten waren überdurchschnittlich gebildet, viele davon jung und kaufkräftig. Das heißt, wir haben es hier mit einer vor allem für die Wirtschaft interessanten Gruppe zu tun.

 

Migranten kritisieren Migranten

 

Die „neuen Österreicher“ geben sich laut unserer Studie erstaunlich selbstkritisch. Immerhin 73 Prozent sagen, dass viele Migranten selbst schuld an ihrer mangelnden Integration in Österreich sind. Auch 81 Prozent der “alten Österreicher” glauben, dass es natürlich an den Ausländern liegt, dass sie sich nicht integrieren – aber dieses Ergebnis war ja zu erwarten.

 

Kaum Politfrust unter Migranten

 

Wer hätte das gedacht: 81 Prozent unserer befragten Migranten interessieren sich nicht nur für Fußball, tolle Schlitten und Turbo-Folk, sondern auch für Politik. Unter den „alten“ Österreichern finden sich mit 76 Prozent tendenziell weniger Polit-Junkies. Auffallend ist aber, dass deutlich weniger Junge unter den Migranten sich für Faymann, Pröll und Co begeistern können. Vielleicht liegt das an der oft miesen Jugendarbeit der Parteien.

 

Zudem geht aus der Umfrage klar hervor: Die Migranten sind
längst nicht so politikverdrossen wie die „alten“ Österreicher.
Unter den Migranten gibt nur jeder fünfte an, dass keine Partei mehr seine Interessen vertritt. Unter den Altösterreichern kann hingegen bereits fast ein Drittel der Bevölkerung nichts mehr mit SPÖ, ÖVP, FPÖ oder den Grünen

 

 

 

 

Wenig Vertrauen für Polizei

 

Migranten sind keine Suderanten. Laut Umfrage sind die neuen Österreicher heilfroh um so einen toll funktionierenden Staat wie Österreich. So etwas kennen sie aus ihren Herkunftsländern nicht. Österreichische Institutionen wie Schulen, Gerichte, Ämter oder Medien sind äußerst beliebt unter Migranten. Am liebsten haben sie die Sozialversicherung – eh klar. Die Polizei hingegen ist wenig beliebt. Die alten Österreicher haben hingegen volles Vertrauen in den „Freund und Helfer“, der sie vielleicht vor den neuen Österreichern beschützt. Wenig überraschend: Die „alten“ Österreicher sind auch viel Regierungs- und EU-kritischer. Ein Dank an die Kronen-Zeitung.

 

Generell sind die Migranten zufriedener. Fast jeder zweite sagt, dass sich seine persönliche Situation in den vergangenen Jahren verbessert hat. Bei den Österreichern sagen das gerade einmal 29 Prozent. Und auch was die Zukunft betrifft, sind die Migranten einfach optimistischer. Nur drei Prozent glauben, dass sich ihre Situation in den nächsten zwei bis drei Jahren „stark“ verschlechtern wird.

 

 

 

 

 

Nicht nur im politischen und sozialen Bereich präsentiert die Umfrage von „EthnOpinion.at“ umfangreiche und spannende Daten. Auch für Unternehmen verschiedenster Branchen sind eine Vielzahl an interessanten Ergebnissen enthalten. Ach übrigens. Das Klischee mit den Fernsehgeräten stimmt zumindest insofern, als bei der Ausstattung mit Haushaltsgeräten die „neuen“ Österreicher top sind. Obwohl Migranten in der Regel viel weniger als „alte“ Österreicher verdienen, hat fast jeder zweite eine Flatscreen-TV.

INFO

Details zur Studie unter http://www.ethnopinion.at.

 

KONTAKT

Interesse an einer Studie?

Unsere Expertin Marina Delcheva (delcheva@dasbiber.at) berät Sie gerne.

 

 

 

Hast du eine Meinung?

 

Wenn du es satt hast, dass immer andere über dich berichten, welche Partei du toll findest oder wo du am liebsten einkaufst, dann sag uns deine Meinung! Schreib an umfrage@dasbiber.at und mach mit bei der großen biber-Umfrage. Alle Teilnehmer bekommen als Dankeschön ein Jahr lang biber gratis mit der Post nach Hause zugeschickt und sind automatisch bei der Verlosung von 5 x 2 Flügen für Antalya dabei!

 

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Kommentare

 

"Unter den Migranten gibt nur jeder fünfte an, dass keine Partei mehr seine Interessen vertritt. Unter den Altösterreichern kann hingegen bereits fast ein Drittel der Bevölkerung nichts mehr mit SPÖ, ÖVP, FPÖ oder den Grünen"

... weil sie die parteien noch nicht gut genug kennen?

naja, manche täten dann grün wählen statt fpö.

aber viel zu viele haben kein wahlrecht. man sollte überall auf der welt wahlrecht, wo man einen wohnsitz hat.

"Generell sind die Migranten zufriedener."

... das liegt vielleicht auch am informationsmangel?

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