Lettland – eine baltische Krim

14. Oktober 2015

In Lettland konsumieren ein Drittel der Bevölkerung russische Medien – Putins Propaganda steht damit auf der Tagesordnung. Um Problemen wie auf der Krim aus dem Weg zu gehen, sucht die lettische Medienlandschaft nach Lösungen. Ein Dialog, der von Furcht und politischen Konsequenzen begleitet wird.


Von Lidiia Akryshora

In den ehemaligen baltischen Staaten der Sowjetunion gibt es viele Menschen, deren Muttersprache Russisch ist. Die meisten Russischsprachigen leben aber in Lettland. Jeder Dritte spricht im Zwei-Millionen Staat Russisch, in Riga ist es sogar jeder Zweite.

Die Medienlandschaft hat sich angepasst: Am Kiosk gibt es russische Zeitungen, Netzbetreiber bieten private russische Kanäle an, Websiten kann man mittlerweile in beiden Sprachen aufrufen und sogar einer der zwei öffentlich-rechtlichen Rundfunkkanäle schaltet 25% seiner Sendungen auf Russich. Der andere staatliche Sender allerdings wird nur in der Amtssprache Lettisch ausgestrahlt.

Decken die Medien den Bedarf der russichen Letten an Informationen ab?

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Foto: Casey Hugelfink

Die Angst vor Russland

“Der Einfluss des russischen Fernsehens hat klar gezeigt, dass es Sachen gibt, an denen man arbeiten muss. Das ist nicht nur ein lettisches Problem, sondern eines, das ganz Europa betrifft”, so der lettische Außenminister Edgars Rinkevics gegenüber biber. 

Die Angst vor dem russischen Einfluss auf die Bevölkerung kam direkt nach dem Krimkonflikt. Dadurch dass 30% Prozent der Letten russische Wurzeln haben, ist es nicht ausgeschlossen, dass der nächste politische Umschwung auch in Lettland passiert.

Anstatt das Problem in der Gesellschaft zu suchen, verbannte der Staat im letzten Jahr den russischen Propaganda-Kanal RTR-Planet aus dem Fernsehen.

Da sich diese Entscheidung nicht lange halten konnte, ist alles gleich geblieben. Besonders Menschen, die nicht die lettische Staatsbürgerschaft haben, konsumieren fast ausschließlich russische Medien – egal ob Entertainment oder Nachrichten. Der Konflikt, der hier entsteht, ist, dass russische Kanäle über Russland und Putins Politik berichtet – was in Lettland geschieht, ist natürlich kein Thema.

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Foto: Lidiia Akryshora

Letten, die sich als keine fühlen

Die Abschaltung der russischen Kanäle ist eine Art von Prävention, meint Ainars Dimants, Obmann des Rats elektronischer Medien. Er und andere Experten sind sich aber einig, dass die Abschaltung der russischen Kanäle kein Ausweg ist. So entsteht die Idee einen russisch-baltischen Kanal ins Leben zu rufen. "Ein russischsprachiger Kanal würde als Zeichen der Versöhnung dienen, dass Lettland für ihre nationale Minderheiten sorgt", erkennt Olga Proskurova, Redakteurin bei dem russichen LTV7.

Dieser Schritt wäre für Proskurova wichtig: „Lettisches Fernsehen richtet sehr wenig auf die russischsprachige Minderheit. Nie wurde mit Hilfe der Medien versucht, eine gemeinsame Kultur für russischsprachige Personen und Letten zu schaffen". 

Für die russichsprachige Proskurova ist eigentlich klar, dass sie Lettin ist. Ihr Umfeld sieht das allerdings anders. Besonders seit den Ereignissen auf der Krim ist sie nur noch “die Russin”.  Die logische Konsequenz ist, dass sich die Menschen näher zu Russland als zu Lettland, in dem sie leben, fühlen.

50 Jahre und keine Integration

In Lettland spricht niemand von einem Zusammenschluss mit Russland. Aber Medienverbote und ethnische Trennungen zeigen, dass es einen Grund zur Sorge gibt. Die Integration, die seit über 50 Jahren auf sich warten lässt, muss endlich passieren. Sonst läuft Lettland Gefahr das ukranische Wunder selber zu erleben. “Uns kann sowas nicht passieren. Wir sind in der EU und in der NATO, also haben wir keine Angst vor Putin.”, erklärt der lettische Außenminister sehr selbstsicher.


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Der Aufenthalt in Riga wurde von Eurotours 2015 organisiert und finanziert. 

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