Ärztin muss Ordination wegen Todesdrohungen schließen

29. Juni 2022

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Statement der Ärztin. Foto: Twitter Lisa-Maria Kellermayr

Dr. Lisa Maria Kellermayr muss ihre Ordination schließen. Grund: Todesdrohungen von Corona-Leugner:innen. Die Polizei hätte ihr keinen Schutz geboten, erzählt die verzweifelte Ärztin.

„Hallo du dummes Stück Scheiße!“ dieser Satz sprang mir eben beim Öffnen der Twitter-App entgegen. Eigentlich nichts neues für diese Plattform, darum rollte ich zunächst nur kurz mit meinen Augen. Allerdings folgte darauf das Statement „Ordination bis auf weiteres geschlossen“ von Dr. Kellermayr aus Oberösterreich. Mir war zuerst nicht ganz klar, wie diese Aussagen zueinander passen. Weiter unten folgt allerdings einer Reihe an Screenshots von Morddrohungen seitens der Covid-Maßnahmen- und Impfgegner:innen-Szene, die mich fassungslos auf mein Handy blicken ließen.

Dr. Lisa-Maria Kellermayr musste nun auf unbestimmte Zeit ihre Ordination in Seewalchen am Attersee schließen. Grund dafür sind mehrere Morddrohungen innerhalb der letzten sieben Monate. Abgesendet von den sogenannten „Covidioten“. Das Risiko für sie selbst sowie für ihre Angestellten und Patient:innen ist einfach viel zu groß.

„Wenn ich zu viel Gegenwehr bekomme, wenn ich euch besuchen komme, knalle ich euch eben einfach ab. Wäre aber schade, dann hätten wir ja viel weniger Spaß.“ So lautet der letzte Satz einer der E-Mails, die an Dr. Kellermayr gerichtet ist. Der Hass dieser Person ist sowohl beängstigend als auch geisteskrank. Wie kommt dieser Mensch dazu, sowas ohne ein schlechtes Gewissen abzuschicken? Sie sammelt ihren kompletten Frust, der durch die Pandemie entstanden ist und sucht sich eine:n Schuldige:n.

Gerade Ärzt:innen sind momentan von diesem Hass betroffen. Obwohl sie doch eigentlich nur helfen möchten. Auch während der letzten sieben Monate, die von den widerlichen Drohungen geprägt waren, versorgte die Ärztin ihre Patient:innen. Jedoch nur unter starken und teuren Sicherheitsvorkehrungen. „Die Sicherheitskosten übersteigen den Gewinn einer Hausarztpraxis um ein Vielfaches. Bis heute habe ich mehr als 100 000 Euro in die Sicherheit des Ordinationsbetriebs gesteckt, um garantieren zu können, dass sich niemand, der hier Hilfe sucht, dadurch in Gefahr begeben muss.“ Auf Dauer ist das allerdings nicht mehr leistbar. Wirkliche Hilfe von der Polizei gab es laut Kellermayr nicht. Die Ordination wurde verstärkt bestreift, mehr aber auch nicht. „Nein, ich habe keinen Polizeischutz erhalten und er wurde mir auch nie angeboten.“ Stattdessen wurde ihr seitens des Polizeisprechers David Furtner vorgeworfen, sie würde eventuell nur Aufmerksamkeit wollen, da sie sich an die Öffentlichkeit wendet. „Es ist ein Lehrstück zur Beobachtung einer Täter-Opfer-Umkehr.“ betont die Ärztin in ihrem Twitter-Thread. Heute erwartet sie sich sowohl eine Entschuldigung als auch eine Richtigstellung der LPD Oberösterreich.

Muss erst was passieren?

„Einer Mitarbeiterin könnte man dann einiges an dem Impfstoff direkt in die Adern Spritzen.“ Wie kann es sein, dass eine Ärztin solche Nachrichten bekommt und sich niemand wirklich darum kümmert, ihr zu helfen? Und die Coronaleugner:innen, die immer beteuern, wie sehr uns die Regierung verarscht, sollten mal ein paar Bücher in die Hand nehmen und sich Statistiken über die Auswirkungen von Corona ansehen. Privatpersonen mit dem Tod zu drohen wird die Maßnahmen nicht wegfallen lassen. Es zeigt nur, wie wenig Menschlichkeit noch in ihnen steckt. Außerdem sollte es doch für die Polizei nicht so schwer sein, eine IP-Adresse zu ermitteln. Eine Twitter-Userin hat es in zwei Stunden geschafft, dann kann man es von unserer Polizei hoffentlich auch erwarten. Wieso muss immer erst was passieren, bevor wirklich geholfen wird?

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