„Bruder, es geht ums Prinzip!“

18. Januar 2023

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Foto: pixabay.com

Wenn es nicht das Prinzip ist, dann die Eifersucht: Menschen, die nicht zugeben können, dass sie falschliegen, greifen häufig zu dubiosen Argumentationsmethoden.

Jede:r kennt es: Man unterhält sich mit seinen Freund:innen über ein Thema, welches banaler nicht sein könnte und aus dem Nichts entsteht eine hitzige Diskussion. Die Aussagen und Theorien der Beteiligten werden immer verrückter und die Stimmen von Wort zu Wort lauter. Die Emotionen spielen völlig verrückt, bis eine der Parteien merkt, dass sie falsch liegt. Als Ausweg aus dieser Situation fällt dann das Totschlagargument schlechthin: „Bruder, es geht ums Prinzip!“ Nach dieser eigentlich nichtssagenden Behauptung wird sich die Hand gereicht und das Gespräch mit einem „Ja Bruder, irgendwie hast du eh recht“, beendet.

Doch was ist dieses „Prinzip“ eigentlich? Naja, es soll implizieren, dass man in diesem speziellen Beispiel Unrecht hat, aber es sich nur um eine Ausnahme handelt. Es wird auf den falschen Standpunkt beharrt, egal wie oft man vom Gegenteil bewiesen wird. Hier ein Beispiel zur Veranschaulichung:

Tim: „Der Typ hat gerade total respektlos mit mir gesprochen.“

Milan: „Hä, er hat dich nur gefragt, ob du trainieren gehst.“

Tim: „Er hat mich das aber nur gefragt, um mich vor den Leuten zu blamieren.“

Milan: „So ein Blödsinn, er besitzt ein Fitnessstudio. Er wollte wahrscheinlich nur wissen, ob du bei ihm trainieren willst.“

An dieser Stelle realisiert Tim, dass er mit seiner Vermutung Unrecht hatte. Um sich jetzt seinen eigenen Fehler nicht eingestehen zu müssen, sagt er einfach, dass es ihm ums Prinzip gehen würde. Meistens folgt auch eine kurze Erklärung, was das Prinzip ist. In diesem Fall wäre es: „Er sollte gar nicht erst mit mir reden.“

Ich habe mich auch schon selbst des Öfteren dabei erwischt, wie ich mit dem „Prinzips-Prinzip“ eine Diskussion gewinnen wollte. Einfach zugeben, dass man falsch lag, fällt mir und vielen anderen schwer. Meine Theorie ist, dass wir dieses Besserwisser-Gen von unseren Eltern vererbt bekommen haben. Es existiert nämlich kein Szenario, indem sich unsere Väter und Mütter die Blöße geben würden, uns Kindern Recht zu geben. Jedes Argument wird so häufig gedreht und gewendet, wie es für sie in dem Moment passt. Die Kinder übernehmen diese Diskussionsmethode und wenden sie in ihrer eigenen Form an.

„Schatz, sie ist einfach eifersüchtig auf dich!“

Das Unterstellen von Eifersucht ist auch ein Klassiker im Handbuch des Diskutierens mancher Menschen. Wenn die Fetzen fliegen und zwei Leute ums Biegen und Brechen nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen, entscheidet sich häufig eine der Streitparteien dazu, der anderen Eifersucht vorzuwerfen. Damit stempelt sie jede Argumentation ihres Gegenübers als invalide ab. Nicht selten wird dieses Argument von einer nicht involvierten Freundin, mit den Worten „Schatz, sie ist einfach nur eifersüchtig auf dich“, eingeworfen.

„Okay, aber wieso übertreibst du so?“

Wenn alle Stricke reißen, dann lässt sich häufig beobachten, dass auf eine sehr toxische Methode zurückgegriffen wird. Eine der streitenden Personen versucht die andere zu manipulieren, indem vom eigentlichen Thema abgelenkt und auf das Gegenüber persönlich eingegangen wird. Häufig mit den Worten: „Okay, aber wieso übertreibst du so?“ Nach diesem Spruch fühlt sich die andere Person so, als hätte sie tatsächlich überreagiert und entschuldigt sich. Der eigentliche Streitgrund rückt damit in den Hintergrund.

Lasst diese toxischen Argumente am besten sein, denn sie bringen euch nicht weiter. Gesteht euch lieber einfach ein, dass ihr auch nur Menschen seid, die Fehler machen dürfen. Das ständige Gefühl immer im Recht stehen zu müssen ist anstrengend und beklemmend. Zudem ist es keine Schande mal falsch zu liegen und das Zugeben zeugt außerdem von Stärke.

 

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