Die armen reichen Rap-Schwachmaten

04. März 2015

„Dein schwuler Vater lutscht für einen Zehner wie ein Junkie.“ Mit solchen Texten ist man als Rapper wie Bushido erfolgreich. Wieso nur? Muss man dissen und provozieren, um Teil der Rap-Kultur zu sein? Die kultivierten Künstler mit Themen rund um Gesellschaft, Umwelt oder Politik werden in dieser Branche schnell mal übersehen.

Bushido, Farid Bang, Kay One, Haftbefehl, Fler… oder wie sie alle heißen – sie alle haben „das Style und das Geld“. Wie am Fließband kommen Newcomer, wie Majoe, dazu. All jene berüchtigten Gansterrapper haben eines gemeinsam: intensive Benutzung der Vulgärsprache, hohen Beliebtheitsgrad unter Teenagern und daraus resultierend Hunderttausende von verkauften Platten. Man kann also kurz festhalten, dass das primitive Proletengetue eine nahezu sichere Einnahmequelle ist.

Rapper wie diese fahren in Youtube-Clips mit teuren Sportautos und haben „heiße Bitches“ um sich herum. Paradoxerweise werden sie auch noch als Vorbilder gesehen. Jugendliche zitieren oft die dümmlichen Parolen und finden sich cool, wenn sie fluchen. Das führt bis hin zur Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen. Es ist vorprogrammiert, dass sich die gängige Art des Raps sehr negativen auf den jungen Teil der Gesellschaft auswirkt und zur Verdummung beisteuert. Vor allem junge Leute sind oft noch nicht in der Lage die kuriosen Aussagen von Liedtexten zu hinterfragen. Sie saugen den Shit wie ein Schwamm auf.

Immerhin finden sich nach langer Suche Ausnahmen. Diese sind meist genauso schwer, wie die Nadel im Heuhaufen, zu finden. Dafür sind das wahre Diamanten dieser eintönigen Szene. Der Berliner Musiker Prinz Pi erklärt, er wäre vor 100 Jahren Dichter gewesen. Das Rap-Genre ist ihm nur dabei behilflich, seine Texte vorzutragen. Der Fokus ist auf den Inhalt gerichtet. Er analysiert in seinen Songs den gesellschaftlichen Wandel, spricht die heutige Schnelllebigkeit an oder behandelt auch Politisches. Kein Wunder also, dass er mit seinem Themenaufgebot „nicht zu diesem juvenilen Haufen von Chaoten gezählt werden [will], die man heute Rapper nennt.“ Ein zentrales Thema ist die für ihn unerreichbare Selbstfindung, worauf der Name seines vorletzten Albums „Kompass ohne Norden“ hindeutet. Im Gegensatz zu den Proleten-Rappern, sieht er sich gar nicht als vollkommen und feiert sich auch nicht. Die Präsenz in der Öffentlichkeit ist für ihn unwichtig. Dafür wird Selbstständigkeit bei ihm großgeschrieben. Für Songwriter hat er keinen Cent übrig. Mit ausschließlich selbstgeschriebenen Texten und gar nachgebastelten Instrumenten von früher, die es in der Form nicht mehr auf dem Markt gibt, bleibt er der individuellen Schiene treu. Ohne einen millionenschweren Vertrieb im Rücken ist es eigentlich unmöglich Erfolg zu ernten.  Doch mit „Keine Liebe Records“ – seinem eigenen Independent Label schafft er den Gegenbeweis. Seine letzten beiden Alben erreichten Platz 1 der deutschen Albumcharts. Und das ganze ohne sich dumm anzustellen. Aber irgendwo doch im Schattenlicht.

Es sollte doch offensichtlich sein, dass es den selbsternannten „Kings of Rap“ hauptsächlich um Kohle geht und nicht darum den Kids echte Werte zu vermitteln. Der Inhalt der Songs wird außen vor gelassen, leider. Leere Worte verbreiten und abcashen statt sensibilisieren oder auf essentielle Themen aufmerksam machen. Für mich ist die Lage durchaus besorgniserregend. In Zeiten, in denen weniger gelesen wird, bekommt die Musik eine größere Macht zugesprochen.

Deswegen die Bitte an Euch liebe Kids: lasst Euch durch die armen reichen Rap-Schwachmaten nicht manipulieren!

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