Good-bye Lenin

18. Mai 2015

Hammer und Sichel.jpg

Demonstration Wien Nach Wölfe Scharzenberg platz
Foto: Pavlo Bishko

Der Sturz der Lenin-Denkmäler in der Ukraine hat bereits vor einem Jahr begonnen. Jetzt gibt es dafür auch ein entsprechendes Gesetz. Eine große Debatte ist in der Gesellschaft entstanden: Geht es um Repressionen oder ist dieser Schritt ein endgültiger Schlussstrich? 

Die Nachrichten über das Entkommunisierungpaket haben jeden erschüttert: von Politikern und Historikern bis hinzu Intellektuellen und Künstlern. „Jetzt kann ich mit reiner Seele meinen verdienten Brandy trinken“, schreibt ein Historiker auf seiner FB-Seite.  

Das Gesetzpaket wurde im April im ukrainischen Parlament beschlossen. Laut dem werden das kommunistische und national-sozialistische Regime in der Ukraine und die Propaganda ihrer Symbole verurteilt. Alle bis heute geschlossenen Archive der repressiven Organe der Sowjetunion in der Ukraine werden  geöffnet. Ehemals umstrittene Kämpfer sollen nun als Helden im Kampf für die Unabhängigkeit der Ukraine gefeiert werden.

Die Meinungen sind gespalten

Die Rolle der sowjetischen Symbole im modernen Leben der Ukraine wird heiß diskutiert. Die Lenin-Denkmäler wurden bereits in vielen ukrainischen Städten gestürzt. Viele Künstler waren dagegen, da es Teil der ukrainischen Geschichte ist und sich mit dem Sturz nichts ändern wird. Intelektuelle befürchten, dass das Gesetz zur falschen Zeit kommt und Russland damit in die Hände spielt. Die Sorge ist, dass Repressionen gegen das ukrainische Volk ausgelöst werden.

Wieder andere sind der Meinung, dass dieser Beschluss sehr wichtig im „Informationskampf“ gegen Russland ist. Politiker, die an diesem Projekt beteiligt waren, finden, es hätte noch viel früher beschlossen werden müssen. So hätte man den Krieg und die Annexion der Krim verhindern können.

Das ist also die derzeitige Situation: Die Meinungen sind gespalten. Als Repräsentative der neuen Generation bin ich für dieses Gesetz. Man muss die Gräueltaten und die Folgen des kommunistischen Regimes anerkennen und verurteilen. In diesem Sinn ist die Nostalgie nach dieser Zeit für mich kaum verständlich. Aber es gibt noch viele unbeantwortete Fragen. Wie wird das Gesetz umgesetzt und welche Alternativen gibt es in Zukunft zur Sichel und zum Hammer? Werden neue Denkmäler errichtet? Wie werden die Wände in den U-Bahnen aussehen, nachdem die kommunistischen Symbole endgültig entfernt wurden?

Infobox:

Kurz nach 9. Mai, dem Tag, an dem die ehemaligen Sowjetrepubliken das 70. Jubiläum des Sieges gegen den Faschismus feierten, hat der ukrainische Präsident das Gesetzpaket unterschrieben. 

 

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Lidiia Akryshora ist derzeit die Stipendiatin der biber-Akademie. Sie ist ukrainische Journalistin, die seit zwei Jahren in Österreich lebt. Deswegen einfach ein Auge zu drücken, falls ihr den ein oder anderen Fehler in ihren Blogs entdeckt. Aller Anfang ist schwer und ihr seid bestimmt auch keine Profis in Ukrainisch, Russisch und ein bisschen Polnisch oder?

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