„Hod za život“ – Wenn Frauenrechte mit Füßen getreten werden

23. Mai 2023

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Foto: wikimedia commons.

Letzten Samstag fand in Zagreb der Protestmarsch „Hod za život“ statt. Hunderte Menschen begaben sich für ein Abtreibungsverbot auf die Straßen der kroatischen Hauptstadt. Kroatien verfolgt eigentlich eine Trennung von Kirche und Staat. Eigentlich.  

„Auch nach einer Vergewaltigung ist eine Abtreibung nicht in Ordnung!“ Ich musste gestern Nachmittag zweimal hinhören, nachdem ich in einem TikTok-Video eine Frau genau diesen Satz aussprechen hörte. Sie war Teil des „Hod za život“ (dt: Lauf fürs Leben) am Samstag. Das Ungeborene könne nichts für die Vergewaltigung und hätte das Recht zu leben, fügte sie noch hinzu. Um sie herum wurden kroatische Flaggen und Transparente mit der Aufschrift „Abtreibung ist Mord“ hochgehalten und nationalistische Lieder liefen im Hintergrund. Die ganze Szenerie hätte nicht absurder sein können.

In Kroatien sind Schwangerschaftsabbrüche seit 1978 grundsätzlich bis zur zehnten Schwangerschaftswoche erlaubt. Doch 2003 wurde das Gesetz um eine entscheidende Bestimmung ergänzt. Ärzt:innen dürfen seit dem einen solchen Eingriff aus Gewissensgründen ablehnen. Aktivist:innen berichten, dass rund 60% der Frauenärzt:innen sich dieser Bestimmung bedienen würden und Schwangerschaftsabbrüche aus „moralischen Gründen“ nicht durchführen. Seit 2016 findet auch jährlich der „Hod za život“ statt an dem ein komplettes Abtreibungsverbot gefordert wird.

Der Druck des Glaubens

Es ist zwar nicht verwunderlich – immer, wenn von Abtreibungsverboten die Rede ist, mischt die Kirche irgendwie mit. Aber: Was hat die Kirche in so einer politischen Debatte zu suchen? In Kroatien gibt es eine Trennung von Staat und Kirche. Eigentlich. Bei derartigen Themen kommt es allerdings immer wieder zu Vermischungen. Ein Großteil der Kroat:innen ist gläubig und genau das wird als Druckmittel gegen die Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen möchten, verwendet. „Es sind doch Kinder Gottes“, ist der Grundtenor. Schuldgefühle und die Angst vor Gott sollen die Frauen einschüchtern um die konservativen Werte weiterzutragen.

Bei der Parade wurden nationalistische Songs des kroatischen Sängers Thompson gesungen. Gepaart mit den gehissten kroatischen Flaggen wirkt die ganze Veranstaltung noch unangenehmer. Es sollte das Gefühl vermittelt werden, dass es Abtreibungen in der kroatischen Kultur nicht geben würde. Wer sich doch dafür entscheidet, könne demnach keine richtige Kroatin sein. Sie werden von der Gesellschaft ausgegrenzt und müssen sich häufig Beleidigungen wie „Mörderin“ anhören.

„Genug!“

„Dosta!“ (dt: Genug!), war das Leitwort der Gegendemo am Samstag. Einige Frauen setzten sich auf die Straße um den „Hod za život“ zu blockieren. Sie wollten ein Zeichen setzen und aufklären, dass man niemanden zu einer Geburt zwingen darf. Eine solche Veranstaltungen würde Frauenrechte mit Füßen treten und die sie ihrer Selbstbestimmung berauben. Nach kurzer Zeit wurden sie jedoch von der Polizei des Platzes verwiesen. Die Wut der Frauen in Kroatien zieht sich schon über einen längeren Zeitraum. Erst letztes Jahr sorgte ein Fall auf Social Media für Empörung. Eine schwangere Frau in Zagreb wurde von mehreren Gynäkolog:innen nicht behandelt. Der Grund? Sie wollte einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, da ihr Ungeborenes mit einem tödlichen Tumor diagnostiziert wurde. Die Ärzte gaben ihr leidglich den Rat es in Slowenien zu probieren, was sie schlussendlich auch tat.

Auf Social Media lassen viele Frauen ihre Wut und Angst raus. „Die Leute interessieren sich für das Kind nur solange es sich noch im Mutterleib befindet“, schrieb eine Userin. Und unrecht hat sie dabei nicht. Ist das Kind erstmal auf der Welt, dann sind die Abtreibungsgegner:innen weg und die Mütter sind wieder auf sich alleine gestellt. Und wer marschiert dann für sie?

 

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