Iran: Hunderte Schülerinnen vergiftet

01. März 2023

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Screenshot: TikTok/Newsfromiran
Screenshot: TikTok/Newsfromiran

Mehr als fünf Monate dauern die Proteste gegen die Regierung im Iran mitterweile schon an – nun wurden zahlreiche Schülerinnen in der Stadt Pardis in der Nähe von Teheran wegen vermuteter Vergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Das ist nicht der erste solche Vorfall in den vergangenen Monaten. Wie so oft seit Beginn der Proteste werden vor allem durch Social Media Stimmen laut, die von den mysteriösen "Einzelfällen" berichten und Videos teilen, auf denen die Schülerinnen im Hof der Schule nebeneinander am Boden liegen und sichtlich sehr geschwächt und krank wirken. 

Es seien "etliche Schülerinnen in der Chajjam-Mädchenschule in der Stadt Pardis in der Provinz Teheran vergiftet" worden, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. 35 Mädchen wurden demnach im Krankenhaus versorgt. In den vergangenen drei Monaten hatte es Medienberichten zufolge immer wieder ähnliche Fälle gegeben. Mittlerweile haben Hunderte von Schülerinnen vermeintlich „leichte Vergiftungen“ erlitten, wie der Gesundheitsminister des Teheraner Regimes, Bahram Eynollahi, zugegben hat. Die Vergiftungen traten offenbar seit November in mehr als 30 Schulen in mindestens vier Städten im Iran auf. In Borudscherd wurden Schülerinnen einer Mädchenschule nach einem weiteren rätselhaften Vergiftungsvorfall am Sonntag ins Krankenhaus eingeliefert - dem vierten in der westiranischen Stadt innerhalb einer Woche. Berichten von Reuters zufolge hatten die Vertreter des iranischen Regimes die Vorfälle zunächst heruntergespielt. Am Dienstag wurde das Thema im Parlement behandelt : So gab der stellvertretende Gesundheitsminister Junes Panahi bekannt, dass Einzeltäter dadruch forcieren wollen, dass alle Schulen, insbesondere Mädchenschulen, geschlossen werden. Den Gesundheitsbehörden zufolge könnte auch eine bisher unbekannte extremistische Gruppe hinter den Angriffen stecken, die Mädchen von der Bildung fernhalten will. Ein einschlägiges Bekennerschreiben soll darauf hindeuten.

Auch ist die Rede davon, dass eine extremistische Gruppe ähnlich wie die Taliban für die Angriffe auf Mädchen verantwortlich sein könnte. Der Frauenanteil an Universitäten beträgt 65 Prozent, aber viele Frauen können nach ihrem Abschluss keine Karriere machen. Verängstigte Eltern fordern Antworten und einige fordern sogar Online-Unterricht, bis die Fälle aufgeklärt sind. Die Regierung steht unter Druck und hat schnelle Aufklärung versprochen, aber es gibt noch keine Stellungnahmen von Präsident Raisi oder dem iranischen religiösen Oberhaupt Chamenei. Es wurden aber keine Ergebnisse der Untersuchungen zu den mutmaßlichen Vergiftungen von Schülerinnen veröffentlicht, was darauf hindeutet, dass die Behörden möglicherweise versuchen, die Vorfälle zu vertuschen, oder selbst verantwortlich dafür sind - dazu äußern sich immer mehr iranische Aktivist:innen auf Plattformen wie TikTok.

 

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Kommentare

 

Anscheinend hat die iranische Führung in letzter Zeit zu viel Kontakt mit der russischen Führung gehabt. Krampfhaft versucht man nämlich deren sogenannte symmetrische Massnahmen zu imitieren.

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