Liebe Impfgegner, geht's noch?

06. August 2021

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Foto: Zoe Opratko
Foto: Zoe Opratko

Den Impfgegnern gehen langsam die Argumente aus. Jene, die sich weiterhin aus Prinzip vehement dagegen stemmen, sollten es in Zukunft schwer haben, findet Chefreporterin Aleksandra Tulej.

 

Die Corona-Tests werden den ÖsterreicherInnen regelrecht nachgeschmissen. Man kann sich momentan an jeder Ecke testen lassen, ohne etwas dafür zu bezahlen. Doch das könnte bald ein Ende haben. Immer mehr Akteure sprechen sich nämlich für das Ende der kostenlosen Testungen aus: Unter anderem Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer und Tirols Landeshauptmann Günther Platter. Und zuletzt auch Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres im Ö1-Morgenjournal am Donnerstag:  "Jeder, der sich nicht impfen lassen möchte und Veranstaltungen oder Restaurants besuchen möchte, sollte dann selbst für das Testen bezahlen", so Szekeres. Er sehe nicht ein, warum die Allgemeinheit diese doch sehr kostspieligen Tests zahlen soll, wenn Menschen sich weiterhin weigern, die Gratis-Impfung in Anspruch zu nehmen. 

„Es wird keine Impfpflicht in Österreich geben“ – sollte es aber

Menschen, die Symptome aufweisen oder sich nicht impfen lassen können, sollen weiterhin die Möglichkeit haben, sich gratis testen zu lassen, heißt es seitens des Gesundheitsministeriums. „Es wird keine Impfpflicht in Österreich geben“, verlautbarte Bundeskanzler Sebastian Kurz vergangene Woche. Aber: In Österreich können einzelne Berufsgruppen laut §17 Abs. 3 Epidemiegesetz zur Impfung verpflichtet werden. Es handelt sich unter anderem um Personen, die sich berufsmäßig mit der Krankenbehandlung, der Krankenpflege oder Leichenbesorgung beschäftigen, sowie Hebammen. Eine allgemeine, österreichweite Impfpflicht gab es übrigens zuletzt von 1948 bis 1980, und zwar gegen die Pocken. Die Pockenimpfung ist eine der größten Erfolgsgeschichten der modernen Medizin.

Impfgegner aus Prinzip

Wir leben nun seit über eineinhalb Jahren mit der Pandemie. Seit Monaten kann man sich impfen lassen. Die Argumente der Impfgegner und -skeptiker werden immer unglaubwürdiger. So verlautbarte die WHO vor einigen Tagen, dass eine COVID-Impfung keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat – eine weit verbreitete Sorge wurde somit für ungültig erklärt. Es ist mittlerweile auch erwiesen, dass die Impfschäden und Nebenwirkungen so selten bzw. vernichtend gering sind, dass sie wirklich keinen Grund zur Sorge darstellen.

Gleichzeitig melden immer mehr Eltern ihre Kinder von Schulen ab, da diese ab nächstem Schuljahr nur am Unterricht teilnehmen dürfen, wenn sie geimpft, genesen sind oder sich regelmäßig testen lassen. So sollen laut Erhebungen des ORF bislang um die 3.600 Kinder ab Herbst zuhause unterrichtet werden. 15 % der ÖsterreicherInnen wollen sich laut einer Umfrage des GALLUP-Instituts „auf keinen Fall“ impfen lassen. 

„Wissenschaftler“, die keiner kennt

Geht’s noch? In einem Land, in dem man sich gratis impfen lassen kann, jederzeit gratis einen Test machen kann und in manchen Fällen sogar von der Maskenpflicht befreit wird, immer noch darauf zu pochen, dass einem die Freiheit und freie Meinungsäußerung entzogen wird, und das nach eineinhalb Jahren Pandemie – warum wird das geduldet? 

 Auf zahlreichen Instagram –und Telegramgruppen versammeln sich nach wie vor Coronaleugner und Impfgegner, die sich auf fragwürdige Quellen stützen, „Wissenschaftler“ zitieren, die keiner kennt und sich auf Fälle beziehen, bei denen die Nachbarin der Großtante ihres Cousins nach der Impfung dies und jenes davongetragen hat. Maske schädlich hier, Impfung tödlich da. Diejenigen, die sie aus gesundheitlichen Gründen nicht bekommen können, sind sowieso davon ausgenommen. Diese Menschen gehören geschützt, und das wird durch eine steigende Impfbereitschaft abgedeckt. Zum Glück lassen sich auch immer mehr anfängliche Impfgegner nun doch impfen, weil sie wieder reisen und sich frei bewegen wollen. Die indirekten Druckmittel funktionieren. Und zu den Übriggebliebenen: Nachdem ihre Argumente nach und nach entkräftet werden, scheint es, als würde sich immer mehr eine „Ich lasse mich nicht impfen. Aus Prinzip nicht.“–Stellung herauskristallisieren. 

Eure „Meinung“ interessiert mich nicht.

Auch dieses ewige „Es ist nur meine Meinung“ kann ich einfach nicht mehr hören. Eure „Meinung“ gefährdet zig andere Menschen und trägt dazu bei, dass wir noch länger mit dem Virus leben müssen. Und wofür? Damit ihr in euren Nischengruppen als Helden gefeiert werdet? Als Retter der Menschheit? Es entzieht sich einfach meinem Verständnis, wie man so frustriert und unzufrieden mit sich selbst sein muss, damit man solche Positionen bezieht.

Ich habe dieses Jahr schon darüber geschrieben, dass ein wenig Corona-Diktatur manchen hier gut tun würde. Und darüber, dass Coronaleugner endlich ihre Fresse halten sollen. In genau dieser Tonalität. Es wird immer mühseliger, aber ich werde nicht müde, mich gegen diese Menschen zu stellen. Und bei jedem Mal werde ich radikaler. Eure „Meinung“ interessiert mich nicht mehr. „Leben und leben lassen“ ist das nächste Statement, das mir schon bis zum Hals raushängt. Diese Floskel mag in vielen Lebensbereichen angebracht sein, nicht aber bei einem Virus. Wir tragen als Gesellschaft eine gemeinsame Verantwortung, diese Pandemie irgendwie in den Griff zu bekommen.  

Liebe Impfgegner, euch will niemand mehr hören. 

Liebe Impfgegner, wenn ihr schon solche Helden seid, dann lebt auch mit den Konsequenzen. Bitte erspart uns allen eure lächerlichen Demos, weitere Lockdowns und noch mehr Erschwerungen im Alltag. Es will euch niemand mehr hören. 

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