Muss ich mich testen? Wie funktionieren Selbsttests? Die wichtigsten Antworten zu den Coronatests.

27. März 2020

Wer in letzter Zeit Fieber hatte, gehustet hat oder gar das Gefühl hatte, nicht genug Luft zu bekommen, stellt sich unweigerlich die Frage: „Habe ich mir das Coronavirus eingefangen? Sollte ich mich testen lassen?“. Wir haben mit Carl Borufka gesprochen. Er arbeitet als Applikationswissenschaftler bei Thermo Fisher Scientific, einem Lieferanten für wissenschaftliche Anwendungen, und hat uns einige Fragen zu den Corona-Tests beantwortet.


Von Hannah Jutz und Jara Majerus.

Corona, Interview, Tests
Foto: Maximilian Schröder

Welche Tests gibt es bis jetzt? 

Bis jetzt gibt es zwei Arten von Tests, die verwendet werden: bei der so genannten Real-Time PCR (Polymerase Chain Reaction) wird das Erbgut des Coronavirus direkt nachgewiesen, bei einem Bluttest werden Antikörper nachgewiesen – diese bildet der menschliche Körper als Antwort auf das Virus. In Zukunft wird man mit schnelleren Tests direkt Virusproteine nachweisen können, die Herstellung dieser so genannten Antigentests ist etwas komplexer und wird noch ein bisschen dauern.

Wie funktionieren die verschiedenen Tests?

Das Ziel des erstgenannten Tests ist es, das Erbgut des Coronavirus nachzuweisen. Dafür wird zuerst ein Abstrich aus dem Mund- oder Nasenrachenraum entnommen. In dem Abstrich befinden sich jetzt noch tausende Substanzen (Zellen, Proteine, Kohlenhydrate, …) die NICHT nachgewiesen werden sollen, deswegen muss das Erbgut erst von dem Rest abgetrennt werden. Nach einem weiteren kurzen Weiterverarbeitungsschritt wird schlussendlich das Erbgut des Virus mit Sonden, die bei einem positiven Test ein Lichtsignal aussenden, nachgewiesen. Dank dieser Sonden ist die Sensitivität des Tests sehr hoch, kleinste Mengen des Virus können daher auch schon im Anfangsstadium der Erkrankung nachgewiesen werden.

Der serologische Test hingegen weist die körpereigenen Antikörper gegen das Virus im Blut nach. Ein möglicher Nachteil: Antikörper werden erst nach ein paar Tagen gebildet, im Anfangsstadium der Erkrankung könnten daher viele Ergebnisse falsch negativ sein. Derzeit werden serologische Tests in Österreich zum Nachweis vom Coronavirus nach meinem Wissensstand aber nicht durchgeführt.

Wie lange dauert es bis man das Ergebnis des Tests hat?

Der PCR-Test ist so konzipiert, dass ein Ergebnis vier Stunden nachdem ein Labor eine Probe erhält, vorliegt. Die geschätzte Zeit umfasst dabei auch die Zeit für die Probenvorbereitung und die Instrumentenanalyse. Die betroffenen Personen werden dann innerhalb von 24 Stunden informiert.  

Wie zuverlässig sind Schnelltests und Selbsttests für Zuhause?

Die AGES und die Ärztekammer haben erst kürzlich ausdrücklich vor diesen Test gewarnt, da es sich bei vielen um serologische Antikörpernachweise und damit um nicht geeignete Tests handelt. Oft sind die Zeitangaben bei Schnelltests auch irreführend; es wird nur die Zeitdauer des Nachweises selbst angegeben, nicht jedoch die der vorangegangen Schritte, wie z.B. der Isolation der RNA.

Bei Selbsttests gibt es potenzielle Fehlerquellen: der richtige Zeitpunkt des Tests ist sehr wichtig und die Abnahme des Abstrichs ist medizinischem Personal vorenthalten. Fehler könnten hier zu falsch negativen Ergebnissen führen.

Welche Gründe gibt es sich NICHT testen zu lassen?

Der Zeitpunkt des Tests ist sehr wichtig, die Richtlinien der Stadt Wien empfehlen sich nur testen zu lassen, wenn man tatsächlich Symptome aufweist oder in stark betroffenen Regionen war.

Wann ist es sinnvoll sich testen zu lassen?
Nur sobald Symptome auftreten oder man vor kurzem in stark betroffen Regionen war, dann bitte direkt 1450 anrufen und den Anweisungen der Behörden folgen.*

Was sind weit verbreitete Irrglauben zu den Tests?

Dass die Geschwindigkeit der Tests der entscheidende Faktor ist. Die Testdauer ist sehr wichtig, aber nur einer von vielen Faktoren. Einen schnellen Test zu haben ist nicht ausreichend. Was wir brauchen sind vor allem gut automatisierbare Tests, mit denen viele Patienten gleichzeitig getestet werden können. Es muss sichergestellt sein, dass die für die Tests notwendigen Reagenzien, Abstrichtupfer und sonstigen Verbrauchsmaterialien langfristig ausreichend (für alle weltweit) zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es noch weitere wichtige Fragen, die geklärt werden müssen: Gibt es genügend geschultes Personal? Kann ein Krankenhaus genügend Tests entsprechend lagern? Wie werden Patienten informiert, ihre Proben gespeichert und der Krankheitsverlauf beobachtet? 

*Anmerkung der Redaktion: Laut der Stadt Wien soll man das Gesundheitstelefon dann anrufen, wenn man Symptome einer Lungenentzündung oder einer Erkältung hat und in engem Kontakt mit einer Person war, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde ODER aber dann, wenn man sich in einer Region aufgehalten hat, in der das Virus übertragen wurde und wird. Das Gesundheitstelefon 1450 ist an allen Tagen der Woche und rund um die Uhr erreichbar!

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