Schutzgeld und Hamster: Eine Danksagung an die Unsichtbaren.

16. Juni 2021

Ich muss HC Strache ja irgendwo Recht geben. Wir Journalisten sind wirklich die größten… Eh schon wissen. Wir sind fame-geil, eingebildet und egozentrisch. Wir strecken unsere Arbeit jedem ins Gesicht, wie ein Kind, das seinen Eltern eine Zeichnung zeigen will. Der Job lebt von Erkennung und Anerkennung. Aber was oft nicht bedacht wird: Hinter jeder guten Reportage stehen mindestens fünf andere Menschen, deren Namen man nie in den Credits finden wird: Informanten, Redaktions-KollegInnen, Freunde, dieser eine Typ, von dem man seit 2017 nicht genau weiß, was er eigentlich macht, aber der immer zwielichtige Telefonnummern parat hat. Artikel schreiben sich nicht von selbst, und in den seltensten Fällen steht nur eine Person dahinter. Der Prozess ist unglaublich komplex – und am Ende kriegt nur die fame-geile Journalistin die Anerkennung. Und mit fame-geile Journalistin meine ich mich selbst. Deshalb hier ein kurzer Einblick hinter den Vorhang.

Ich weiß nicht, wie vielen Menschen ich schon unendliche Drinks, Köfte-Spieße und sonstige Gefallen schuldig bin.

„Hey! Lange nicht gehört, hoffe dir geht’s gut. Keine Zeit, um zu erklären, aber sag mal kennst du wen, der illegale Sportwetten veranstaltet, von Sisi abstammt, ein Tattoo auf der linken Arschbacke und als Haustier einen Hamster hat? Aber bitte heute noch, morgen ist zu spät.“ Wer sich – freiwillig oder unfreiwillig - in mein näheres Umfeld begibt, hat mit Nachrichten dieser Art zu rechnen. Meine journalistische Recherche sieht so aus: Erster Schritt: Story-Idee. Zweiter Schritt: Alle Menschen, die auch nur peripher jemanden kennen könnten oder jemanden kennen, der jemanden kennen könnte, so lange zu jeder Tages- und Nachtzeit belästigen, bis was dabei rauskommt. Erfolgsquote : 100%. Einerseits, weil ich lästig bin. Andererseits: Ohne euch Helferlein wären so einige Seiten in diesem Heft leer. Ich weiß nicht, wie vielen Menschen ich schon unendliche Drinks, Köfte-Spieße und sonstige Gefallen schuldig bin. Die Liste wird immer länger. Deshalb gilt diese Kolumne euch. Euch allen, die dazu beitragen, dass biber-Journalismus funktioniert. Euch allen, die ich gut und gerne durch meine teilweise sehr seltsamen Story-Ideen mit-traumatisiere. Euch, die ich auch mal vollheule, wenn es nicht weitegeht. Aber: Ich wäre ohne euch aufgeschmissen, das muss mal gesagt werden. Übrigens, wenn wir schon beim Thema sind: Kennt sich wer mit Schutzgeldmafia aus?  Frage rein hypothetisch natürlich. Infos bitte an: tulej@dasbiber.at

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