Liebesg’schichten und Heiratspensionisten

22. November 2012

Liebesg’schichten und Heiratspensionisten

Auf vielen Hochzeiten war ich zu Gast. „Heiraten die aus Liebe?“, frage ich mich dabei stets, oder doch eher nach dem Motto: „Die eine – sonst gibt’s bald keine!“ Die Rede ist von der berüchtigten balkanesischen Heiratspension.

Die magische Zahl hierfür ist 30. Wer vor dem 30. Lebensjahr nicht unter die Haube kommt, schafft es wahrschein- lich gar nicht mehr, so die Angst, die sich bei manchen breit macht. Und wer nach
dem Ablaufdatum noch vors Standesamt tritt, hat entweder irgendein Scheidungsopfer abbekommen oder jemanden, mit dem etwas nicht stimmen kann. Warum sonst hat den keiner vorher für den Bund der Ehe haben wollen? Die übliche Dorftuschelei kann dann leicht in die Gänge kommen.

Ich bin so ein „Opfer”. 30 Jahre alt, nicht verheiratet und war es auch nie. Ob ich es sein werde? Wer weiß! Zurzeit kein Bock, keine Alarmglocken!

Die Dorfhochzeit

Vor Kurzem war wieder eine Hochzeit in meinem bosnischen Dorf. Einer, der lange brauchte, um sich die Hörner abzustoßen, sich nur herumgetrieben hat, ist unter die Haube gekommen. Er ist bald dreißig, alle seine Freunde haben sich schon Frauen „zugelegt” und feiern gemeinsam die typischen Ehepaarfeste. Nur der Spätzünder wird sich wahrscheinlich langsam als fünftes Rad am Wagen gefühlt haben und wollte plötz- lich auch mit einer Frau auftauchen.

Bei den Festen kommen dann die Frauen auch endlich aus dem Haus und machen Par- ty. Sie kaufen sich neue Klamotten, lassen sich eine Hochsteckfrisur bei der Friseurin ihres Vertrauens machen und sind „glücklich verheiratet”. Fotos gibt’s dann auf Face- book. Das Jahr über allerdings tun einige der Männer noch immer auf Junggeselle und mischen die heimischen Diskos – inklusive junger Mädchen – auf. Diese Fotos gibt’s dann auch auf Facebook. Und jetzt hat auch der letzte Junggesellenmohikaner eine gefunden, mit der er auf Feste gehen kann. Es ist bestimmt die große Liebe!

Brautschau im Internet

Eine Freundin erzählte mir von ihrem Flirt auf Facebook. Zweimal habe er sie gesehen und schon liebe er sie. Er ist fast 30 und versucht sie von einer Heirat zu überzeugen. Lang genug hätte er als Junggeselle gelebt. Nun sei es Zeit für ein ruhiges Leben, sich endlich eine Frau zu suchen, weil es sonst zu spät für ihn sei. Seine Worte! Für die Her- zensdame, die Abschreckung pur. „Ich bin doch nicht die Lückenbüßerin dafür, dass er vor seinem dreißigsten Lebensjahr unter die Haube kommt!”, sagt sie. „Die von unten nehmen sich irgendeine, nur damit es eine wird.” Arme Frauen, unter dem Vorwand

der großen Liebe zum Altar geführt, um dann ab und zu, neben dem Haushalt und dem Kindermanagement, auf Feste mitgeschleppt zu werden.

Nein, Danke!

Wen kümmert der 30er und die Vergangenheit eines Men- schen? Es gibt nichts Verlogeneres, als einen Menschen zu heiraten, weil man es hinter sich bringen will. Nicht für eine Hochzeit soll man bereit sein, sondern für den Menschen, mit dem man sein Leben verbringen will. Die Zeit der alten Jungfern sollte doch endlich vorbei sein. Liebe ist Liebe, egal in welchem Alter.

 

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