Digital Blackfacing in Reaktions-GIFs ist problematisch.

12. März 2021

Warum man beim Versenden von GIFs zweimal überlegen sollte, welches man verschickt.

POV: Die Freunde klopfen ein paar dumme Sprüche, man findet es witzig und reagiert mit GIF-Nachrichten. Immerhin ist es schwierig seinen Gemütszustand virtuell auszudrücken, da helfen schon Reaktions-GIFs, Berühmtheiten wie Nicki Minaj, den augenrollenden Stanley von The Office oder auch eine kecke Real Housewife of Atlanta zeigen. Alles sehr harmlos, vor allem um der Komödie willen. So einfach ist das aber nicht. Selbst ein Gelegenheits-GIF-Benutzer wird bemerken, dass Schwarze Menschen auch in der Online-Kultur im Mittelpunkt stehen oder eher die bildlichen Darstellungen von Schwarzen. Sie dominieren regelrecht den alltäglichen Feed, auch außerhalb der Schwarzen Online-Communities. Reaktions-GIFs, die Schwarze Menschen zeigen, wurden praktisch zum Synonym für reine Reaktions-GIF.

Was ist Digital Blackfacing?

Sehr einfach ausgedrückt, ist Digital Blackface, wenn Nicht-Schwarze Bilder, Videos und Stimmen Schwarzer Individuen verwenden und die Identität Schwarzer beanspruchen, um ihre eigenen Emotionen mitzuteilen. Der Begriff selbst geht zurück auf das Wort „Blackfacing“ (zu Deutsch: sich das Gesicht schwärzen) dessen Wurzeln in der rassistischen US-Theatertradition „Minstrel Shows“ liegen. „Minstrel Shows“ waren im 18. und 19. Jahrhundert Unterhaltungsveranstaltungen, wo weiße Schauspieler Schwarze Menschen karikierten und dabei Stereotype über Schwarze bedienten. Viele Aspekte der heutigen Unterhaltungsgenres wie Filmen und Cartoons entsprangen den Minstrel-Aufführungen, dabei wird oft die Verbindung zum Rassismus der Jim-Crow-Ära vergessen. Nun hat sich diese Form von rassistischer Unterhaltung auch im Cyberspace eingebürgert und wird eben als Digital Blackfacing gesehen.

Wieso ist Digital Blackfacing problematisch?

Die Problematik hinter dem unschuldigen Teilen von GIFs Schwarzer Individuen in den sozialen Medien liegt in der Aufrechterhaltung von negativen Stereotypen über Schwarze. Digital Blackfacing ist eine moderne Form von rassistischer Darstellung und nährt den systematischen Rassismus, indem Schwarze Menschen als aggressiv, gewalttätig und hypersexuell durch GIFs und Memes dargestellt werden. Die digitale Form von Blackfacing gibt Nicht-Schwarzen ein falsches Verständnis, wie Schwarze auf dieser Welt existieren und führt durch die Übertreibung der Stereotype gegenüber der Schwarzen Bevölkerung zu dessen Entmenschlichung. Die Verdichtung der Existenz Schwarzer Menschen auf Stereotype läuft die Gefahr von kultureller Aneignung. Das gleiche gilt für die Verwendung von nicht-weißen Emojis durch Nicht-Schwarze. Die fünf Emoji-Farbtöne wurden eingeführt, um mehr Repräsentation von Nicht-Weißen-Menschen zu ermöglichen und nicht zum Spaß, um eine andere Identität zu „erproben“. Denn nur zu oft schlagen Nicht-Schwarze Profite, basierend auf der Kultur von Schwarzen Menschen, zum Beispiel der Kardashian-Clan. Nicht-Schwarze können die in den GIFs gezeigten Verhaltensweisen und Gefühle nach Belieben annehmen und abwerfen, während Schwarze ohne diese Privilegien zu besitzen den Konsequenzen des Rassismus ausgesetzt sind.  

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