Ansage an WDR: Enissa Amanis neues Talk-Format „Die beste Instanz“

10. Februar 2021

Ähnlicher Titel, viel besserer Inhalt: Enissa Amani zeigt nach dem Rassismus- Skandal des WDRs, wie es richtig geht – sie dreht den Spieß um und stellt kurzerhand ein eigenes Talk-Format auf die Beine:  Die „beste Instanz“. Hier kommen jene zu Wort, die wirklich von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind – so, wie es sein sollte.

von Milica Joskic

Die iranisch-deutsche Komikerin Enissa Amani sorgte mit einem Instagram-Video dafür, dass sich das Netz über die herablassende Talkshow „Die letzte Instanz“ empörte. Ihrer Wut über die rassistischen Äußerungen konnten sich viele anschließen. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass kein einziger betroffener Mensch bei solch einer Debatte dabei war. Amanis Antwort auf den WDR- Skandal: Ihr eigenes Talk-Format „Die beste Instanz“.

 

Die "letzte Instanz" - Über das Diskutieren ohne die richtigen Diskutanten

Power-Talk mit Power-Gäst:innen

Der Name ist Programm: Innerhalb einer Woche schaffte es die Komikerin nicht nur Kameras, Cutter, Location oder Gesundheitsbeauftrage aus eigener Tasche zu organisieren. Sie holte sich auch namhafte Gäste mit ins Boot und veranstaltete einfach ihren eigene, diverse Talkshow. Max Czollek, Mohamed Amjahid, Natasha. A. Kelly, Gianni Jovanovic und Nava Zarabian diskutierten zusammen mit Amani über Racial Slurs (rassistische Äußerungen, Fremdbezeichnungen) und machten Ansagen, die wir schon lange im deutschsprachigen Raum brauchen. „Wenn die Öffentlich-Rechtlichen nicht anfangen, sich auf gesellschaftliche Entwicklungen einzustellen, dann spielen die keine Rolle mehr“ so Max Czollek, jüdischer Bestseller-Autor. Die Runde spricht offen darüber, wie wichtig sensible Sprache ist und welche Macht wiederum gewaltvolle Sprache hat: „Mit Sprache können Kriege anfangen, aber auch beendet werden“ erklärte Aktivist Gianni Jovanovic. Was hier besonders auffällt: Die ganze Diskussionsrunde ist geprägt von einer positiven und wertschätzenden Atmosphäre, die ich bis in mein Wohnzimmer spüre. Enissa Amani leitet die Sendung mit Charisma und spürbarem Herzblut, die Themen sind ihr und allen Beteiligten wichtig und Teil ihrer Realität. Für mich fühlt sich diese Talkshow wie eine kleine Revolution an. Mit meinen 25 Jahren habe ich noch nie eine so diverse Gästeauswahl auf einem Haufen gesehen. Alle von ihnen waren Experten der von ihnen repräsentierten Communitys, aber noch wichtiger: Sie sind Betroffene. Alle wissen, wovon sie reden.

Neue Migrant:innen-Ära

„Meine Eltern hatten damals nicht die Möglichkeit zu sagen ‚Wir gehen jetzt zu Enissa Amani und reden darüber‘. Jetzt hat es sich geändert“. Mohamed Amjahid bringt hier einen wichtigen Punkt an. Genau diese neue laute, kritische und gerechtigkeitsfordernde Stimme von Migrant:innen ist es, die autochthone Menschen nicht gewohnt waren, jetzt aber in voller Wucht zu spüren bekommen. Diese 1,5 Stunden wertvoller Gespräche waren Balsam für mein Herz und meine Ohren, die sonst nur Geschwurbel a la Dieter Nuhr gewohnt sind. Enissa Amani hat etwas auf die Beine gestellt, was das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen hoffentlich als Beispiel für ihre zukünftigen Sendungen nutzt. Enissa ist mit einem vorbildlichen Beispiel vorangegangen, jetzt seid ihr dran.

 

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